Was ist Bio Wein ?

Bio Wein – was ist das überhaupt? Man liest überall von Bio Wein und sieht auch in vielen Weingeschäften verschiedene Logos, die darstellen sollen, dieser Wein ist ein Bio Wein. Zeit etwas Licht ins Dunkle zu bringen und aufzuklären: Man verwendet dabei verschiedene Begriffe synonym:

  • organisch-biologischer Weinbau
  • ökologischer Weinbau
  • biologisch-organischer Weinbau
  • biologisch-dynamischer Weinbau

All diese Begriffe beziehen sich auf die Art den Wein zu produzieren und anzubauen. Ziel ist es grundsätzlich den Weinbau so naturschonend wie möglich zu gestalten. Dies bezieht sich auf die Bearbeitung des Bodens, den Einsatz von Düngemitteln oder den Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln. Doch welche Regel stecken eigentlich genau dahinter ? Wieviel Chemie ist denn nun erlaubt ?

Das EU-Bio-Siegel

Eine wichtige Regel, die definiert welche Lebensmittel Bio sind und welche nicht ist die „Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates vom 28. Juni 2007 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen“ – auch Öko-Verordnung genannt.

Organischer Wein
Ökologische Landwirtschaft

Hier wird am Ende eines Prozesses das EU-Bio-Logo vergeben. Die Produkte,, die dieses Logo führen, müssen den Kriterien dieser EU-Öko-Verordnung entsprechen. Danach können sie das Logo führen, müssen aber nicht. Was bedeutet das nun für unseren Wein ?

Grundsätzlich dürfen diese Produkte :

  • nicht radioaktiver Strahlung ausgesetzt gewesen sein
  • nicht gentechnisch verändert worden sein
  • es dürfen keine synthetischen Pflanzenschutzmittel verwendet worden sein
  • keine mineralischen Dünger verwendet werden
  • keine Süßstoffe enthalten sowie keine Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker enthalten

Man unterscheidet grundsätztlich organisch-biologischen Weinbau und auf der anderen Seite biologisch-dynamischen Weinbau. Als dritte Art gibt es sogenannten integrierten Weinbau. Auf die Unterschiede komme ich gleich zu sprechen. Man beleuchtet dabei die Kategorien Pflanzenschutz, Bodenpflege, Düngung und Weinbehandlungsmittel.

Alle diese Formen unterliegen unterschiedlichen Richtlinien. Verwirrt. Ich auch … wer steigt da noch durch? Es wird Zeit, dies einmal transparent zu machen und zu vereinfachen und vor allen Dingen dies zu vereinheitlichen. Aber wie bei vielen Dingen sind da ganz viele individuelle industrielle und staatliche Interessen im Spiel.

Was ist aber mit den Sulfiten im Wein ? Ist das denn erlaubt ?

Organisch-biologischen Weinbau

Im folgenden werde wir uns auf den Typ organisch-biologischen Weinbau konzentrieren, da der biologisch-dynamische Weinbau eine eher esoterische Abwandlung davon ist. Manchmal findet man das sogenannte DEMETER Logo auf einigen Flaschen. Dies ist aber nicht relevant für italienische Weine. der Typ Typ organisch-biologischen Weinbau wird über die oben erwähnte EU Richtlinie beschrieben und ist heute am häufigsten zu finden.

Pflanzenschutz

Das grundsätzliche Problem hierbei ist es Qualität, Ertrag zu maximieren und dabei die Umwelt nicht zu schädigen. Gerade im Weinbau hat man einige Herausforderungen zu meistern. Es gibt eine Vielzahl von Unwägbarkeiten, wie zum Beispiel die Reblaus, Pilzkrankheiten usw.

Man verbietet allerdings strikt den Einsatz von Insektiziden, Mitteln gegen Pilz oder Unkrautvernichtungsmittel. Ausnahme ist der Einsatz von Kupfer bzw. Kupfersulfat gegen den Mehltau, da es keine Alternative zum Bekämpfung gibt. Zusätzlich ist es erlaubt Pflanzenstärkungsmittel anzuwenden, die allerdings biologischen Ursprungs sein müssen. Ziel ist es die Widerstandskraft der Weinreben zu stärken. Auch ist es erlaubt Schwefel zu kleinen Mengen hierzu einzusetzen.

Bodenpflege

Interessanterweise ist in der Verordnung beschrieben, dass der Weingarten, also die Fläche neben und unter den Reben das ganze Jahr über begrünt sein soll. Ich habe das schon oft auf italienischen Weinfeldern gesehen und mich gefragt, wieso da so viele Blumen und Gräser wachsen. Unkraut darf nur mechanisch vernichtet werden. Jede Art von Herbiziden ist verboten. Gentechnisch veränderte Pflanzen im Umfeld sind verboten.

Düngung bei Bio Wein

Ein Teil der Düngung erreicht man durch die Begrünung der Weinfelder indem einige Pflanzen Nähstoffe in den Boden abgeben, die für Weinreben nützlich sind. Des weiteren darf man als Winzer organisch düngen, also den Dung bzw. Stallmist von Tieren verwendet. Dies ist allerdings reglementiert und die meisten Weinbauern haben keine Tierhaltung nebenbei, so dass dies in der Regel keine Alternative ist. Es ist übrigens auch verboten Klärschlamm zu verwenden. In der EU-Verordnung hat man allerdings bestimmte Mineraldünger erlaubt. Verbote hat man alle synthetischen Stickstoffdünger sowie Phosphordünger. Einiger Winzer verwenden Tees als Blattdünger, die wiederum auch erlaubt sind.

Weinbehandlung

Ein großes Thema dabei ist die Zugabe von So2 also Schwefeldioxid, aber auch die Ernte. Starten wir bei der Lese. Das EU Gesetz erlaubt den Einsatz von Maschinen zur Lese. Allerdings kenne ich keinen Winzer in meinem Portfolio, der Maschinen einsetzt. Die italienischen Winzer bei Weinistgeil lesen alle manuell. Spannender ist es, was als Zusätze erlaubt sind und was nicht. Die Zugabe von bestimmter Hefe ist unter Bedingungen erlaubt. Eine Alkoholerhöhung durch Rübenzucker oder bestimmten Traubenmost wäre erlaubt. Der maximale Schwefelgehalt So2 richtet sich nach dem Restzucker im Wein. Die Bandbreite liegt zwischen 120mg/l und 220mg/l. Der Einsatz von Caciumcabonat zur Entsäuerung ist ausdrücklich erlaubt.

Oragene Weine

Es soll hier noch auf einen in den letzten Jahren aufgekommenen Trend aufmerksam gemacht werden. Es handelt sich um naturbelassene Weine oder auch Amphorenweine. Man verzichtet auf Sulfite zur Konservierung und nutzt spezielle Amphoren bei der Maischegärung. Dadurch werden viele Tannine frei und der Wein bekommt einen orangene Farbe. Weitere offizielle Bestimmungen fehlen. Wir durften bei einigen Winzern in Umbrien auch schon diese Weine kosten – ein Wein, der komplett ohne Strom hergestellt wurde, wie vor vielen hundert Jahren.

Kennzeichnung von Bio Wein

Allerdings gibt es neben dem EU-Bio -Logo auch noch eine Vielzahl an nationalen Verordnungen und Siegeln sowie Verbands Logos. Wichtig ist es zu verstehen, dass der Begriff Bio-Wein gesetzlich geschützt ist. Nennt sich ein Wein so, muss er deutlich gekennzeichnet sein und den Hinweis: “aus ökologischem Anbau” oder “aus biologischer Landwirtschaft” erhalten. Die Begriffe Biowein und Ökowein müssen das EU Bio-logo am Etikett erhalten.

Das Problem mit den vielen anderen Logos, ist, dass man gar nicht so genau überblickt, unter welchen Bedingungen produziert worden ist.

Vegane Weine

Eigentlich sollte man denke alle Weine sind automatisch vegan. Und wenn es nicht der normale traditionell hergestellte Wein ist, dann doch wenigstens der Bio-Wein. Leider ist das dann doch nicht so automatisch der Fall. Zwar sind Weine rein pflanzlich hergestellte Lebensmittel, doch bei der Herstellung setzten manche Winzer tierische Produkte ein. Ein Beispiel ist tierische Galantine um den Wein klar zu machen und Trübstoffe herauszufiltern. Also kann man sich nur darauf verlassen, wenn der Wein tatsächlich das vegane Gütesiegel enthält.

Diskussion

Die Anwendung von biologischer Landwirtschaft zur Herstellung ökologischer Weine ist natürlich vorbildlich und sollte weiterhin gefördert werden. Trotzdem muss man bedenken, dass der Aufwand, Wein biologisch herzustellen, durchaus aufwendiger sein kann. Man bedenke nur, dass das Verbot einige Stoffe einzusetzen, mehr Aufwand bei der Bodenbehandlung bedeuten kann. Dies führt dann wieder dazu, dass die Co2 Ausstöße größer werden.